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31.3.2020 : 21:44 : +0000

Unsere alte Fahlisch-Chronik

von Michael Mehlow

 „1877 erschien in der Buchdruckerei von Eduard Oskar Alfred Scharff die ”Geschichte der Spreewaldsstadt Lübbenau". Das Titelblatt weist den Lübbenauer Lehrer Emanuel Friedrich Paul Fahlisch als den Herausgeber des Werkes aus.“

"Durch seine Arbeit als Lehrer, die aktive Mitgliedschaft in Vereinen, sein Engagement für die Pflege und Erhaltung des Spreewaldes und nicht zuletzt durch seine geschichtlich Forschung hat er sich in seiner Heimatstadt hohes Ansehen erworben" 

„Um aber auch die jüngste Vergangenheit in einem Buch festzuhalten, beschlossen die Stadtverordneten 2000, eine Fortsetzung herauszugeben. Mehrere Autoren beteiligten sich an diesem Vorhaben. Im Jahr der einhundertundsechzigsten Wiederkehr des Geburtstages von Fahlisch liegt das Ergebnis der Gemeinschaftsarbeit mit diesem Buch jetzt vor.“

Schwere Zeiten für Lübbenau und seine Einwohner

von Gabriela Müller

„Wieder wurden die Männer der Stadt zum Kriegsdienst eingezogen, und wieder luden die Frauen die Aufgaben der Männer auf ihre Schultern, strickten und nähten für die Soldaten. Erneut wurde der Warenerwerb durch Marken beschränkt und abermals jagte eine Sammelaktion die nächste…“

 

„Um aus Lübbenau tatsächlich eine Festung zu machen, hatte der Volkssturm damit begonnen, die Stadt in südlicher und westlicher Richtung durch das Ausheben eines etwa vier Kilometer langen Panzergrabens vor der herannahenden Front zu schützen,…“

„Nichts rührte sich. Dann wurde Lübbenau durch Truppenteile der 3. Gardearmee unter Oberst Winogradow besetzt.“

 

„Am Sonntag nach der Besetzung waren in Lübbenau die Geschäfte geöffnet, aber es gab kein Brot zu kaufen. Aushänge informierten die Einwohner darüber, dass alle Radios, Fotoapparate, Telefone und Schreibmaschinen bei der Komman-dantur, die sich inzwischen in Kittels Villa einquartiert hatte, abzugeben seien.“

„Als Oberst Federow die Stadt verließ, waren die Folgen des Krieges noch längst nicht beseitigt, aber das Schlimmste hatte man überstanden.“

„Im Oktober 1946 entfernte der Steinmetz Gerhard Wahn dem Soldaten des Lübbenauer Kriegerdenkmals das Gewehr und die Patronentaschen und brachte an dessen Fahne den Schriftzug „Nie wieder Krieg“ auf – ein Gedanke, der wohl allen Bewohnern der Stadt aus dem Herzen sprach und allen künftigen Generationen als ewige Mahnung dienen sollte.“

Vom Ackerbürgerstädtchen ..."

von Fritz Heese

Auf der Grundlage des Wassergesetzes von 1913 wurde mit Stimmenmehrheit die Eindeichung beschlossen und 1935/36 der Deich durch den Reichsarbeitsdienst gebaut. Einige hundert Hektar Wiesen und Felder sind seit dem nicht mehr durch Hochwasser gefährdet, können leichter bearbeitet werden und bringen gesicherte Erträge. Dazu gehören auch die Flächen der Hutung, die früher auch mit dem Kahn zu erreichen waren. Das ist heute nicht mehr vorstellbar.“

„Im selben Jahr (1936) wurde als Großhandelsbetrieb die Spreewald-Gemüsebau-Genossenschaft e.G.m.b.H. gebildet, die von allen Landwirtschaftsbetrieben und Kleinsterzeugern das Gemüse aufkaufte und es an Konservenbetriebe und Geschäfte sowie den Großhandel außerhalb des Spreewaldgebietes verkaufte. “

„Von den 1930 bestehenden 172 Landwirtschaftsbetrieben bestanden 2000 nur noch zehn, vier als Vollerwerbsbetriebe und sechs im Nebenerwerb. Die bewirtschaftete Ackerfläche ist um mehr als 80 Prozent (geschätzt) durch Bebauung zurückgegangen. Der zahlenmäßige Rückgang der Landwirtschaften bezieht sich auf Lübbenau ohne die eingemeindeten Ortsteile Krimnitz (1973), Lehde (1973) und Zerkwitz (1978).Die Stadt hatte damit ihren Charakter als Ackerbürger-Städtchen verloren.“

... zum Industriestandort

von Hans Müller

„Auf der Anfang des Jahres 1957 in Leipzig stattgefundenen Energiekonferenz des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR wurde ein Kohle- und Energieprogramm beschlossen. Dieses Programm zeigte den Ausweg. Es sah vor, in Lübbenau ein Wärmekraftwerk mit einer Gesamtleistung von 1 300 Megawatt zu errichten…“

„Auf den Baustellen beider Großbetriebe befanden sich in den Folgejahren etwa 4 000 Bau- und Montagearbeiter…“

„Voller Spannung erwarteten die Kraftwerkserbauer den 17. Dezember 1959. Endlich war es soweit. 17:32 Uhr: Die erste Netzschaltung erfolgte, das Werk I des Kraftwerkes Lübbenau  produzierte Elektroenergie!“

„Der siebente und letzte Schornstein fiel am 1. Oktober 1996. Damit verschwand ein für die Stadt Lübbenau jahrelanges Wahrzeichen.

Am 30. Juni 1996, dem letzten bedeutenden Tag in der Geschichte des Kraftwerkes, erfolgte die endgültige Stilllegung des Kraftwerkes. Es war das wirkliche AUS für ca. 2 000 Kraftwerker.“